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Für Querleser/Innen!

Schon in Guatemala war für uns klar, dass wir durch den Kleinst-Staat El Salvador nach Honduras fahren wollten. Viele positive Reiseberichte über Land und freundliche Leute haben uns „gwundrig“ gemacht. Auf der „Ruta de Flores“ sind wir eingereist und haben dabei die Vulkan-Kette im Hinterland von San Salvador gequert. Der gemächliche Lebensrhythmus entsprach uns auf Anhieb und wir fühlten uns am Lago de Coatepeque und im Kolonialstädtchen Suchitoto sehr wohl.

Nach knapp einer Woche reisten wir – froh diesen Abstecher gemacht zu haben – nach Honduras weiter. Schwerpunkt Honduras oder Nicaragua? Wir haben uns schliesslich für Nicaragua entschieden und aus diesem Grund Honduras nur transitiert.

Über das Hochland sind wir von Honduras nach Nicaragua eingereist. Ein Abstecher brachte uns ins Nebelwald- und Kaffeeanbaugebiet im Hinterland von Matagalpa. Noch heute nennt sich dort eine Gebirgsstrecke „Ruta de Sandinista“ – Erinnerungen an die damalige Kriegsberichterstattung wurden wach. Sechs Tage weilten wir anschliessend auf der Vulkan-Insel Ometepe, mitten im Lago de Nicaragua. Die Überfahrt mit der kleinen Fähre war mehr als unruhig, der Aufenthalt jedoch sehr friedlich. Die Zeit ist dort völlig stehen geblieben! Wir wohnten auf einer Finca die als Cooperative betrieben wird und für rund 24 Familien ein Auskommen generiert. Eine sehr familiäre und sinnvolle Sache. Um den Umsatz etwas an zu kurbeln, haben wir uns für die Besteigung des Vulkanes Maderas einen Führer geleistet. Was zu Beginn eine steile aber angenehme Wanderung war, artete ab einer gewissen Höhe in eine eigentliche Schlammschlacht aus. Uns wurde wieder mal vor Augen geführt, wieso der Regenwald auch so heisst! In knöcheltiefem Schlamm balancierten wir uns von Ast zu Liane - immer darauf bedacht, nicht auf dem Hosenboden zu landen. Nach sieben Stunden Marschzeit hatten wir es ... und waren geschafft!

Da wir nochmals ein paar Spanischlektionen planten, fragten wir an einer uns bekannten Adresse an, ob es in der Umgebung die Möglichkeit gäbe, eine Schule zu besuchen. Die Antwort kam sofort - ja, natürlich, der Lehrer könne auf Wunsch sogar "Heimunterricht" erteilen. Für uns war klar, nicht's wie hin! Ein Email später erhielten wir von den holländischen Besitzern die Anfrage, ob wir nebst dem Spanisch-Kurs nicht auch noch ihr Haus hüten könnten. Sie hätten ein Problem jemanden zu finden, der diesen Job während dem ganzen Monat April erledigen könne. Wir campierten eine Woche in ihrem Garten und verstanden uns mit der ganzen "Familie" (zwei junge Boxer-Hunde, zwei Katzen) auf Anhieb sehr gut. So sind wir also an der Laguna de Apoyo gestrandet und waren, während dem ganzen Monat April, "HerrIn und MeisterIn" über den ganzen Zoo, ein Grundstück von 3000 m2 mit direktem Seeanstoss und einem gemütlichen Haus mit grosser, schattiger Veranda.

Dieser Platz hat uns ausgezeichnet Gelegenheit geboten, all die vielen Eindrücke der vergangenen elf Reisemonate richtig zu verarbeiten, die ganze Ausrüstung auf Vordermann zu bringen (kommt schon fast einer Frühlingsputzete gleich!), wieder mal einen völlig anderen Tagesablauf zu gestalten, Email-Korrespondenzen zu erledigen, für die Weiterreise so richtig im Internet zu surfen und erste Kontakte für die Autoverschiffung von Panama nach Ecuador zu knüpfen – kurz, wieder mal Dinge tun (oder eben nicht zu tun!) - die auf einer solchen Reise auch zu kurz kommen können. Auf ausgedehnten Hundespaziergängen genossen wir den dichten Busch der die Lagune säumt, beobachteten Vögel und lauschten den Brüllaffen. Das morgendliche (Alters-)Turnen und das Schwimmen im See hatten Priorität im Tagesablauf – wir waren froh wieder vermehrt Sport treiben zu können. Ab und an fuhren wir zum Einkauf, einem Kaffee oder einem kühlen Licuado (herrliches Fruchtsaftgetränk) in die nächst gelegene Kleinstadt. Granada - ein ruhiger und hübscher Flecken aus der Kolonialzeit.

In den ersten Tagen des Monats Mai werden wir unsere Reise in Richtung Costa Rica fortsetzen. Die Intensität der dort einsetzenden Regenzeit wird dort unsere Reiseroute wohl stark beeinflussen. In Panama gilt es dann für uns die Verschiffung nach Ecuador zu arrangieren.
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Für "Fährtensucher/Innen"

Grenze Guatemala/El Salvador - Sonsonate - Lago de Coatepeque - Suchitoto - St. Rosaria de Lima - Grenze El Salvador / Honduras - Cedeno - Choculteca - S. Marcos de Coldon - Grenze Honduras / Nicaragua - El Espino - Esteli - Matagalpa - Vulkan Masaya - Laguna Apoyo - Isla de Ometepe - Laguna Apoyo - Grenze Nicaragua / Costa Rica
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Höhepunkte

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Im Grenzbereich
Grenzübertritte erhöhen auch uns stets etwas die Pulsfrequenz – man weiss wirklich nie so genau was einem erwartet! So gehen wir die Übertritte stets mit einer gewissen Ruhe an, sind gut vorbereitet und nehmen uns für diesen Tag auch keine grossen Fahrziele mehr vor. Zudem haben wir all die möglicherweise (oder unmöglicherweise) geforderten Dokumente, Papiere und selbst Fotokopien in grossen Stückzahlen zur Hand. Die noch übrig gebliebenen Bargeldreserven sind abgezählt zum Umtausch bereit und der aktuelle Wechselkurs ist uns jeweils bekannt. Mit dieser Vorbereitung waren die von uns bis anhin abgewickelten Grenzübertritte ohne Schwierigkeiten oder gar „Stress“ zu bewältigen. Vieles hatte seine Logik, eine gewisse Überschaubarkeit der Abläufe und auch der Entwicklungsstand der Informatisierung war zum Teil überraschend.

Grenzstation El Amatillo

Bewegt man sich einmal im „Grenzbereich“ – geht alles plötzlich sehr hektisch zu und her! Viele Leute bieten ungefragt ihre Dienste an, wollen einem was verkaufen oder die Bargeldreserven zu einem „guten“ Kurs tauschen. Ein Land Rover / Gringo scheint dies bezüglich eine ganz besondere Anziehungskraft zu baben. So geschehen beim Grenzübertritt von El Salvador nach Honduras. Die Grenzstationen auf beiden Seiten waren sehr chaotisch und die Abwicklung auf der Seite von Honduras überaus bürokratisch – hier ein Formular, da ein Stempel, dort eine Kopie – die Büros von Migracion, Aduana, Seguridad und wie die sonst noch alle heissen, zu Fuss „meilenweit“ entfernt, nicht angeschrieben und die zu bezahlenden Kosten – verglichen zu den Landeskosten – gar Wucher. Man ist bei solchen Übergängen wohl oder übel auf die „Hilfe“ von Tramitadores, landläufig auch Schlepper genannt, angewiesen. Sie bringen einem von Schalter zu Schalter und wissen wieviel Kopien der Dokumente wo gefordert werden. Natürlich machen sie die ganze Arbeit nicht gratis. Die Forderungen sind oft unverschämt – schlussendlich aber Verhandlungssache! Ein „guter“ Preis ist aber nur die halbe Miete – sie versuchen natürlich überall mit zu verdienen – die Beamten machen da wohl auch mit. Zwar weiss man aus Reisebüchern / Reiseberichten / Infos von anderen Reisenden was einem erwartet und wieviel die Abwicklung in etwa kosten wird. In Zentralamerika ist aber im Moment vieles im Fluss. Viele Regelungen sind neu, die Preise nach oben angepasst, von Grenzposten zu Grenzposten und sogar an Werk- und Sonntagen verschieden!
Na ja, wenn man die ganze Sache nach mehr als drei Stunden hinter sich hat und zudem noch das Gefühl hat nur in einem verschmerzbaren Rahmen „abgezockt“ worden zu sein – dann lassen auch wir es gut sein, fahren los und ... freuen uns auf das Neuland!


Susana und Onno in ihrem "open-air"-Büro!

Transfer von Wissen
Auf der Suche nach "der" Geschäftsidee sind Susana und Onno, nach längeren Aufenthalten in Peru und Ecuador, schlussendlich nach Nicaragua gekommen. Bei der Evaluation von möglichen Geschäftstätigkeiten sind sie auf ihren Reisen schon bald von der Idee abgekommen, sich in der Backpacker-Szene oder gar im Adventure-Bereich zu engagieren. Ihre Vision ging vielmehr in Richtung Nachhaltigkeit!

Nach Bedürfnisabklärungen in Nicaragua und in ihrer Heimat Holland, haben die beiden vor rund zwei Jahren damit begonnen, ihre Idee - StudentInnen von holländischen Fachhochschulen ein Praktikum in Nicaragua zu ermöglichen - um zu setzen. Zu Beginn bestand für sie die Hauptschwierigkeit darin, in Industriebetrieben, Regierungsstellen, Ämtern und Sozialstellen die richtigen Ansprechpartner zu finden. Obwohl ein paar "Türöffner" in ihrem privaten Umfeld mithalfen, benötigte der Verkauf ihrer Idee sehr viel Einsatz, eine gewisse Hartnäckigkeit und auch viel Überzeugungskraft. Auf Werbetour im Heimmarkt Holland konzentrierten sie sich auf die verschiedenen Fachhochschulen die von ihren Studenten entsprechende Praktikas fordern.
Heute betreuen die Jungunternehmer im Jahr schon fast 50 StudentInnen die in verschiedensten Landesgebieten und Branchen (Elektrizitätswerk, Spital, Soziale Institutionen, Industrie, usw.) im Einsatz stehen. Das ganze Dienstleistungspaket geht dahin, dass sie für interessierte Studenten, gegen eine Gebühr auf Erfolgsbasis, eine geeignete Praktikumsstelle organisieren sowie für Unterkunft, Sprachausbildung und die Betreuung vor Ort besorgt sind.

Wie Susanna und Onno heute berichten, setzt bereits ein gewisser Schneeball-Effekt ein - in den Fachhochschulen wird realisiert, dass Nicaragua ein relativ sicheres Land ist das interessante Praktikums-Möglichkeiten bietet und in Nicaragua spricht sich bei den Verantwortlichen der grosse Nutzen dieses "Transfers von Wissen" herum. Eine für sie positive Entwicklung, die sie jedoch nach eigener Aussage nicht all zu stark ausreizen möchten. Ihnen liegt viel daran, die Studenten vor Ort weiterhin persönlich betreuen zu können und auch die Qualität der Praktikumsangebote hoch zu halten.

Auch wir sind von dieser nachhaltigen Art - dringend benötigtes Wissen zu transferieren und gleichzeitig jungen Menschen Einblick in eine völlig andere Kultur zu ermöglichen - überzeugt. Ein sehr gutes Konzept, das für alle Beteiligten eine Win-Situation darstellt! Wir wünschen Susana und Onno weiterhin viel Erfolg.

Kontakte:
www.onstagenicaragua.com
onstagenicaragua@gmail.com


Gewöhnungsbedürftig
Seit wir in Mittelamerika reisen ist ein Thema ständig präsent - die allgemeine Sicherheit. Nicht, dass wir uns generell unsicher fühlten! Es ist jedoch schon gewöhnungsbedüftig - wenn, wie z.B. in Guatemala, Privatpersonen mit einem Revolver im Halfter ihrem Fahrzeug entsteigen, vor jeder Bank / Bancomat, vielen Geschäften, an Tankstellen, an Strassenbaustellen draussen im Busch und sogar beim Ablad von Gütern des täglichen Bedarfs - bewaffnete Sicherheitsleute patroullieren. Gewöhnungsbedürftig auch all die kleinen Läden die selbst während der Geschäftszeit mit dicken Eisengittern vermacht bleiben und einem die gewünschte Ware durch das "Affengitter" gereicht wird. Das Bild eines grossen Coca-Cola-Lastwagens, auf dessen offener Ladefläche ein Sicherheitsmann mit einer riesen Flinte im Anschlag mitfuhr, wird uns noch lange und schmunzelnd in Erinnerung bleiben.
Negativ wirken sich solche Vorsichtsmassnahmen natürlich auf die individuelle Bewegungsfreiheit aus. So wird von vielen Wanderungen oder Vulkanbesteigungen ohne "Schutz" abgeraten. In Nationalparks werden oft Touren mit Polizeischutz und völlig kostenlos angeboten. Auf solche Wanderungen konnten wir gut verzichten - sie würden wohl punkto Erholung, Erlebniswert und Genuss, nie unseren Ansprüchen genügen.

Wenn wir so gemütlich durch die Länder gereist sind, ist es uns jedoch oft schwer gefallen die beschriebenen Massnahmen richtig ein zu ordnen. Zu herzlich und respektvoll waren all die Kontakte mit den Menschen unterwegs, zu friedlich und gemächlich schien uns das Alltagsleben um überhaupt Bedenken zu hegen. Mit der Zeit entwickelten wir wohl so eine Art von Instinkt - der uns bestimmt auch mit etwas Glück - "vom falschen Ort, zur falschen Zeit" fernhielt!


Hemdsärmlig
Gut zu wissen, dass in Nicaragua nur die Polizisten mit den blauen / langärmligen Hemden (Policia National) allfällige Bussen einfordern dürfen und Polizisten mit blauen / kurzärmligen Hemden nur im Aufsichtsdienst stehen. Wie wir von Insidern hören, sind fadenscheinige Vorhaltungen nur Abzockereien und eher nur von den minder entlöhnten "Kurzärmligen" zu erwarten. Bei routinemässigen Ausweiskontrollen - dabei sind wir natürlich stets ein dankbares Opfer - lernten wir die zwei Kulturen bereits gut kennen. Während sich ein "Kurzärmliger" stets" mit dem von uns gereichten Stoss von Ausweiskopien zufrieden gab und ihn auch unser "Cruz roja" sichtlich beschäftigte, wollten die "Langärmligen" nichts von Kopien wissen und forderten freundlich aber bestimmt ... unsere Originale.
So fahren wir also weiterhin mit Bedacht durch die Lande - immer darauf achtend den "Langärmligen" keinen Vorwand zu liefern. Wir halten als einzige brav an jeder Stoppstrasse an und schleichen uns konsequent mit 25 km/h durch die unzähligen Bussenfallen "Schulzone". Gegenüber Vorhaltungen oder gar Forderungen der "Kurzärmligen" sind wir mental jederzeit bereit ... hart zu "verhandeln"!