Für Querleser/Innen!
Peru blieb uns vorerst verschlossen. Wir parkten vor dem Schlagbaum und gingen zu Fuss zur kleinen Baracke, wo uns die Beamten der Policia, der Migracion und der Aduana per Handschlag willkommen hiessen. Die Administration war reinste Handarbeit, hielt sich jedoch in vernünftigen Grenzen. Der Zöllner wandte mit sichtbarem Stolz seine Englischkenntnisse an und berichtete uns, dass er für drei Monate an diesen kleinen Grenzübergang delegiert/verbannt wurde. Seine in den ersten Tagen erlittenen Moskitostiche schienen ihn weit mehr zu beschäftigen als all die Güter die wir in unserem Fahrzeug mitführten. Mit den besten Wünschen und dem Hinweis auf einen sehr ruppigen Streckenabschnitt wurden wir herzlich verabschiedet.
Der Zöllner hatte nicht übertrieben, die Strasse glich auf die ersten vierzig Kilometern mehrheitlich eher einem Bachbett. Wir durchfuhren viele kleine Siedlungen bevor wir ein tiefes Tal erreichten und - uns schlagartig wie in Asien wähnten. Wir waren in der Gegend von Jaén in der Reiskammer von Peru gelandet! Reisterrassen ziehen sich steilste Berghänge hoch. Das sanfte Grün der jungen Triebe ein wunderschöner Kontrast zur kargen Felslandschaft.
Nach einer Nacht im Areal einer Grosstankstelle waren wir froh die Fahrt fortsetzen zu können. Im ersten Dorf fuhren wir auf eine lange Lastwagenkolonne auf. Wir überholten links und machten uns schlau. Streik! Grosse Steine verunmöglichten eine Weiterfahrt, laut wurden Parolen gebrüllt - nur Fussgänger durften passieren. Mit viel Emotionen wurde uns erklärt, dass die Blockaden in ganz Peru errichtet werden um gegen die hohen Preise aufzubegehren. Wir fuhren zwei Kilometer zurück und verbrachten einen ruhigen Tag etwas abseits der Strasse, die Nacht auf Anraten der Lastwagen-Chauffeuere ... halt wieder im Areal der Tankstelle!
Szenenwechsel. Nach der Überquerung eines 4'300 Meter hohen Passes und kurzer Fahrt in Richtung Pazifikküste, waren bereits die ersten Sanddünen sichtbar. Die wüstenähnliche Landschaft begleitete uns von Chiclayo bis Trujillo wo wir die Küste in Richtung der Cordillera Blanca, ein gletscherbedecktes Bergmassiv, verliessen. Auf diesem Streckenabschnitt war überraschend viel Kultur angesagt! Wir lernten die Moche- und Chan-Chan-Kulturen bei Ausgrabungsstätten kennnen und besuchten in Lambayeque das Museo Tumbas Reales de Sipan, ein neu eröffnetes Museum der Spitzenklasse, das den immensen Fund des Grabschatzes von Sipan zur Schau stellt. Beeindruckend die Exponate - beeindruckend aber auch die topmoderne Architektur und die Art der Präsentation!
Die Anfahrt zum Cañon del Pato war für uns spektakulärer als der bekannte Cañon selbst. Die senkrechten Felswände und die sichtbaren Spuren von heftigem Steinschlag liess uns oft den Atem anhalten und die Fahrt trotz äusserst ruppigem Untergrund beschleunigen. Das ehemalige Bahntrasse führte durch unzählige und schmale Tunnels - schwarze Löcher ohne Möglichkeit mit Gegenverkehr zu kreuzen.
Biken, wandern - Natur pur! Während fast zwei Wochen machten wir das Kleinstädtchen Caraz zum Ausgangspunkt unserer Aktivitäten im weitläufigen Tal zwischen Cordillera Blanca und Negro. So wanderten wir am Fusse der imposanten 6'000er durch goldgelbe Getreidefelder und hoch zu türkisblauen Lagunen, liessen uns per Taxi auf eine Höhe von 4'600 Metern fahren um anschliesssend auf den Bikes, immer das grandiose "Alpenpanorama" vor der Nase, genüssliche 40 Kilometer ins Tal rollen zu können. Zwei kalte Nächte an der Laguna Llanganuco ermöglichten uns eine lange Tageswanderung zum Refugio Peru - eine Art SAC Hütte und Basecamp für "echte" Bergsteiger. Für uns war die Luft auf 4'700 Meter schon recht dünn - die Querung einer Gletschermoraine atem(be)raubend! Um die übersäuerten Muskeln etwas zu schonen, fuhren wir am nächsten Morgen mit dem Landi in ähnlich luftige Höhen. Der Ausblick vom "Mirador" - auf die Nevados Huascaran (6'768 M.ü.M.), Huandoy (6'395 M.ü.M.), Pisco (5'752 M.ü.M.) und Co. - einfach überwältigend.
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Für "Fährtensucher/Innen"
La Balsa (Grenze zu Ecuador) - Jaen - Lambayeque - Huanchaco - Trujillo - Tanguche/Chimbote - Cañon del Pato - Caraz/Huaraz ________________________________________________________________
Höhepunkte
- Biken und wandern in der Cordillera Blanca
- Museo Tumbas Reales di Sipan, Lambayeque
- Fahrt hoch zum/durch den Cañon del Pato
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Museum Tumbas Reales de Sipan
Die Geschichte um den Grabschatz des Herren von Sipan (Nord-Peru, nahe Chiclayo/Lambayeque) liest sich wie ein Krimi!
Als Dr. Walter Alva, Direktor des bereits in Lambayeque ansässigen Brüning Museums, feststellte, dass auf dem Schwarzmarkt auffallend viele Objekte aus einer Gabstätte angeboten wurden - begann er mir seinen diskreten Recherchen. Es gelang ihm schlussendlich das Puzzle fertig zu stellen und den Ort des von Grabräubern geplünderter Schatzes zu lokalisieren. Die Pyramide von Sipan wurde unter Schutz gestellt und schon bald mit den archäologischen Ausgrabungen begonnen. Nicht ohne Widerstand in der Bevölkerung, denn viele in der Umgebung ansässige Leute waren in die Plünderung der Grabstätte verwickelt und generierten so ein zusätzliches Einkommen. Wie Dr. Alva in seiner damaligen National Geography-Reportage schilderte, ist es sogar zu einem Zwischenfall mit tödlichem Ausgang gekommen. Mit viel Geschick ist es ihm schlussendlich gelungen, die Bevölkerung zu überzeugen und in das ganze Projekt ein zu binden. So wurden aus Grabräubern - Arbeiter die die Ausgrabungen aktiv unterstützten!
Zum Glück waren die Plünderungen nicht all zu gross - die Freilegung der Neben- und Hauptgrabkammern förderte einen unglaublichen und äusserst umfangreichen Schatz aus der Zeit der Moche-Kultur zu Tage. Die gefundenen Objekte wurden zum Teil in Deutschland restauriert. Die Bedeutung dieses Fundes rechtfertigte den Bau eines eigenen Museums. Seit 2001 ist der Grabschatz aus Sipan der Öffentlichkeit zugänglich - ein Museum der Spitzenklasse. www.tumbasreales.org
Wasser ist ...
zum Waschen da. Nicht nur! Unser Landrover ist im Innenbereich mit einem Kanister-System für 60 Liter Trinkwasser ausgerüstet - unter dem Fahrzeug haben wir zusätzlich einen Tank für 70 Liter Brauchwasser. Bis heute hatten wir absolut keine Probleme sauberes Trinkwasser in grossen, wiederbefüllbaren 20-Liter Behältern zu kaufen. Der zusätzlich mitgeführte Keramikfilter und entsprechendes Desinfektionsmittel blieben unbenutzt.
Trinkwasser für alle - die vor vielen Jahren international gestartete Kampagne scheint zumindest in den von uns bereisten Gebieten zu greifen. Ob sich jedoch alle Bevölkerungsschichten Flaschenwasser leisten können ist eher zu bezweifeln! Zentrale Trinkwasserfassungen und öffentliche Bezugsquellen, wie wir dies in kleinsten Dörfern beobachten konnten, sind vorbildlich und bestimmt nachhaltigere Lösungen.


