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Für Querleser/Innen!

Das Zentrale Hochland von Peru wird in unserem Reisehandbuch als - "ursprünglich, wenig erschlossen, mit bescheidener Infrastruktur und herzlicher Bevölkerung" - kommentiert. Genau was uns interessiert! Die Routenplanung duch das Hinterland von Lima, quer durch die Berge, über kleine Altiplanos (Hochebenen) und entlang sich windenden Tälern stand schnell fest und - wir wurden nicht enttäuscht.

In zwei Wochen fuhren wir rund 1000 Km durchs Gebirge und trafen in einzelnen Gebieten noch auf Verhältnisse, die uns an sehr lang zurückliegende Reisen nach Nepal/Indien erinnerten. Kein Zweifel - die Bevölkerung in diesen Gebieten hat ein äusserst hartes Auskommen oder kämpft gar ums Überleben.
In den Dörfern sind viele Häuser verlassen, die steilsten Berghänge werden in mühseliger Arbeit bewirtschaftet und sichtbare Spuren von Hochwasser lassen erahnen wieviel Kulturland erst neulich wieder weggeschwemmt wurde. An kleinsten Rinnsalen wird die Wäsche gewaschen und entlang der staubigen Landstrasse zum trocknen ausgelegt. Die Kinder kommen als sympathische "Schmotzfenke" daher, an Kleidung mangelt es jedoch offensichtlich. Die Strassen sind schmal und ausgewaschen, das Befahren sehr beschwerlich. Der Gang zum nächsten Markt wird so wohl oft zur Tagesreise.

Die Leute in den Dörfern und entlang der Strassen erwiederten unser Winken spontan, oft wurde uns laut und schrill hinterher gepfiffen. Auf den Hochebenen grasen Lama-Herden vor spektakulären Bergkulissen und in ganz einsamen Weideflächen konnten wir die noch wild lebenden Vicuñas ausmachen. Im erschlossenen Hochtal von Huancayo staunten wir ob den modernen Produktionsanlagen und den riesigen Dimensionen der zahlreichen Minen. Gegensätze - wie sie grösser nicht sein können! Bevor wir in Nazca die weltbekannten Geoglyphen besichtigten ... galt es vorerst all die Eindrücke der letzten Wochen zu verarbeiten!

Ein kleiner Aussichtsturm ermöglichte uns den Blick auf zwei Geolyphen (riesige Zeichnungen/Figuren, die wenige Zentimeter tief in den Wüstenboden geritzt wurden) - die mysteriösen Nazca-Linien liessen sich jedoch in deren Dimension nur erahnen! Kaum hatte sich der Morgennebel aufgelöst , brachte uns ein sechsplätziges Kleinflugzeug in luftige Höhen und über die weite Ebene mit all den Linien und Zeichnungen. Die sehr eng und steil geflogenen Piruetten liessen uns die Schwerkraft spüren. In akuter Schräglage hatte man zwar einen tollen Ausblick - trotzdem verlangte der Kopf (oder war es doch der Magen?) schon bald danach, möglichst schnell wieder in geordnete Flugbahnen zu gelangen! Mit etwas blutleeren Köpfen, nach 13 Figuren x 2 Piruetten und 40 Minuten Flugzeit, entstiegen wir dem Flugzeug ... ohne das ominöse Säcklein gefüllt zu haben. Ein eher hektischer Ausflug bei dem der erhoffte Genussfaktor eindeutig zu kurz kam.

Die ehemalige Inka-Hauptstadt Cuzco war unser nächstes Ziel. Trotz sehr viel Tourismus hat die Stadt ihren Charme bewahrt und lädt zum Verweilen. Ein Stellplatz an bester Lage ermöglichte uns die Altstadt in einem kurzen Fussmarsch zu erreichen - ideal für gemütliche Einkaufsbummel, einen Apéro auf einem der vielen Balkone rund um den Plaza de Armas oder ein Nachtessen in einer gemütlichen Beiz. Wir genossen das Ambiente der Stadt und die gemütliche Stimmung auf unserem Campingplatz, denn - in Cuzco sind wir erstmals mit "Overlandern" aus Richtung Süd zusammen getroffen. Ob Motorrad- oder AutofahrerIn - wir verstanden uns prächtig, tauschten Bücher und Karten, versorgten uns gegenseitig mit den aktuellsten Tipps und hatten im warmen Gemeinschaftsraum so manch interessante Diskussion. Irgendwie verspürte niemand den Drang von Cuzco weg zu gehen und dies ... wirkte ansteckend!

Im Wissen, dass wir nach unserem Abstecher ins "Heilige Tal" nochmals kurz zurück kehren - verliessen wir Cuzco nach einer Woche in Richtung Machu Picchu. Für den Besuch der berühmten Inka-Stätte nutzten wir die Unabhängigkeit die uns das eigene Fahrzeug bietet. So fuhren wir über einen hohen Pass und hinunter ins feucht-heisse Tiefland (Oriente/Amazonas) um von dort, zuerst im überfüllten Minibus und später zu Fuss, zum Ausgangspunkt für die Besichtigung von Machu Picchu zu gelangen. Wir quartierten uns für zwei Nächte in Aguas Caliente ein - dem Ort, wo keine Strasse hinführt jedoch sämtliche Touristenzüge aus Cuzco eintreffen. Betrachtet man dort den Rummel, so erscheint einem eine geplante Limitierung der täglichen Besucherzahl gar nicht mehr so abwegig! Schlange stehen für den Shuttle-Bus war nicht unser Ding. Zur frühen Morgenstunde nahmen wir den 2-stündigen Aufstieg zur Inka-Stätte in Angriff und erreichten den Aussichtspunkt hoch über den Ruinen - rechtzeitig zum Sonnenaufgang.

Ob die Condore im Colca Cañon wohl jeden Tag fliegen? Wir wollten sie sehen und fuhren von Cuzco quer über die Berge in Richtung Arequipa. Auf halbem Weg erreichten wir den tiefsten Canyon der Welt - tiefer als der bekannte Grand Canyon in den USA. Am "Cruz de la Condor", wo die seltenen Vögel mit ihrer riesigen Spannweite (bis 3 Meter) die Abend- und Morgen-Thermik nutzen, hielten wir Ausschau und wurden schon bald auf einzelne Exemplare aufmerksam. Faszinierend, wie sie nahe an den Felswänden kreisten, auf unserer Augenhöhe vorbei schwebten und aufstiegen, um im rasanten Gleitflug zu entschwinden.

In Arequipa nutzten wir den Aufenthalt, vor unserer Einreise nach Bolivien, um unsere Vorräte zu ergänzen und die Stimmung rund um den grossartig restaurierten Plaza de Armas zu geniessen. Die Stadt wurde nehrmals von Erdbeben arg beschädigt - die zwei riesigen Vulkane im unmittelbaren Hinterland der Stadt halten einem diese Gefahr sehr eindrücklich vor Augen.

Nach kurzer Fahrt erreichten wir den Küstenbereich und fanden uns wieder in der Wüste.
Am 31. August 2008 verliessen wir Peru mit einem wehmütigen Gefühl, denn der rund 2-monatige Aufenthalt hat uns sehr viel gegeben. Für uns war Peru das Reiseland mit den bis anhin nachhaltigsten Erlebnissen und Einblicken!

Ein kleiner Schlenker durch den nördlichsten Teil von Chile brachte uns von Meereshöhe auf's Altiplano (Hochebene auf ca. 4000 - 4500 M.ü.M.) und an die Grenze zwischen Chile und Bolivien.
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Für "Fährtensucher/Innen"

Caraz/Huaraz - P.N. Pastoruri - La Union - Huanuco - Cerro de Pasco - Huancayo - Huancavelica - Lag. Choclococha - Ticrapo - Pisco - Nazca - Cuzco - St. Teresa - Pisac - Cuzco - Colca Cañon - Arequipa - Tacna - Grenze Peru/Chile - Arica -Putre - P.N. Lauca - Grenze Chile/Bolivien
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Höhepunkte

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Peru pur
Auf der Fahrt in Richtung Süden haben wir absichtlich die Küste gemieden und so den Moloch Lima auslassen können. Auf zum Teil sehr unwegsamen Pfaden sind wir durch das Zentrale Hochland gefahren und haben dabei Peru, wo noch immer ca. 60 % der Bevölkerung in Armut lebt (unter ca. USD 58.--/Mts.-Einkommen!), so erleben dürfen - wie es wohl vor vielen Jahren noch flächendeckend war.

Wir trafen noch auf sehr-sehr ärmliche Verhältnisse - die Leute fleissig, mit einfachstem Arbeitsgerät im Ackerbau beschäftigt (an steilsten Hängen und bis in grosse Höhenlagen), die Behausungen aus Lehm und mit Strohdach bestimmt nicht winterfest. Ein paar Mal haben wir nach vorheriger Rückfrage auf dem Land von Familien übernachtet und dabei Einblick in ihr kärgliches Auskommen erhalten. Die von uns überreichten Naturalgaben in Form von ein paar alten Kleidern, frischen Früchten oder für uns selbsvertändlichen Dingen aus der Hausapotheke, wurden stets dankbar angenommen. Tief beeindruckt hat uns auf einer Strasse - wo Touristen eher selten unterwegs sind – als ein altes Mütterchen mit leerem Blick und in eisiger Kälte am Strassenrand stand und einfach ihren Hut vor sich her hielt. Wir hielten an und traten einen Obulus aus unseren Essensvorräten ab! Ein Ausdruck von Verwunderung und Dankbarkeit - den wir so schnell nicht vergessen werden!

Hochland-Episode 1
Es war bereits späterer Nachmittag, als wir uns nach einem geeigneten Übernachtunsplatz umschauten. Wir hielten an einer kleinen Lehmhütten-Siedlung an und klärten die Besitzverhältnisse des von uns in Betracht gezogenen Stellplatzes am nahen Fluss. Es war das Wochenende des Nationalfeiertages und die ganze Bevölkerung in entsprechender Festlaune. Wo auch immer die Leute hergekommen sind, bald waren wir zahlreich umringt, wurden per Handschlag willkommen geheissen und unser Anliegen wurde schon bald eingehend beraten. Das Land entlang des Flusses sei im Besitz der Kooperative und dürfte somit auch von Gästen genutzt werden. Uns wurde im steinigen und trockenen Tal die wohl einzige grasgrüne und topfebene Fläche direkt am Flussufer zugewiesen. Ein "Campingplatz" vom Feinsten - wir getrauten uns kaum mit unserem Landi auf's wertvolle Weideland zu fahren - die Gastgeber bestanden jedoch eindringlich darauf!

Hochland-Episode 2
Eine Übernachtung später, es war noch immer Nationalfeiertag (der dauert in Peru ganze vier Tage!), waren wir am Morgen zur Abfahrt bereit als sich uns von der nahen Siedlung drei Personen näherten. Der uns vom Vorabend bekannte Mann stellte uns seine Eltern vor - der Vater, ein kleingewachsenes, 90-jähriges Männchen mit verschmitztem Lachen; die Mutter, 88-jährig, noch eher kleiner und in voluminöser Sonntagstracht. Sie wollten zur Festparade im nächsten Ort - ein langer und beschwerlicher Weg entlang der staubigen Landstrasse. Obwohl unser Fahrzeug nicht für Personentransporte geeignet ist, beschlossen wir spontan, für den Transport besorgt zu sein. Opa und Oma wurden kurzerhand in unseren "Wohnbereich" gehieft. Wir konnten uns dabei ein Lachen nicht verkneifen als wir feststellten, dass sie selbst bei geschlossenem Hubdach völlig aufrecht auf der Bank sitzen konnten - während Esti die holprigen Kilometer halb auf den Knien, halb liegend über sich ergehen lassen musste.
Mit sichtlicher Genugtuung und unter interessierten Blicken der anwesenden Dorfbevölkerung entstiegen die drei Festbesucher unserem Land Rover. Sie umarmten uns in traditioneller Manier, dankten und nannten uns "Gente de Dios" - sehr frei übersetzt mit ... "Leute von Gottes Gnaden".

Hochland-Episode 3
Ein Städtchen weiter suchten wir mal wieder vergeblich den richtigen "Ausgang" - nur mehrmaliges Fragen konnte uns die Richtung weisen. Zwei Lehrerinnen nutzten die Gelegenheit und tauschten ... Information gegen Mitfahrgelegenheit! So quetschten sie sich beide auf den Beifahrersitz während Esti - ja, richtig - hinten, halb auf den Knien, halb liegend die Holperpiste erdulden musste!
Die Fahrt über Stock und Stein war mehr als kurzweilig, erhielten wir doch so viel über Land und Leute sowie Sitten und Gebräuche zu hören.

Stadt in der Stadt
Ein Kloster wo Nonnen eigentliche "Appartements" bewohnten - mit separatem Schlaf- und Wohnraum, eigener Küche, Räume für Bedienstete, Innenhof, Dachterrasse und obendrein noch Gäste empfingen - wo gab's denn dies? Wohl nur im heutigen Arequipa!

Das Kloster Catalina wurde zur Zeit der Spanier gegründet und von einer findigen Nonne geleitet. Nur Töchtern aus reichen Familien war der Zugang zum Orden möglich. Der Gebäudekomplex entwickelte sich während Jahrzehnten zur eigentlichen Stadt mit sämtlichen Infrastrukturen und Annehmlichkeiten. Im 18. Jahrhundert wurde der Vatikan auf den allzu weltlichen Lebensstil der Nonnen aufmerksam und setzte dem Treiben ein Ende. Eine strenge Oberin sollte es richten. So wurden Gästebesuche untersagt, Bedienstete aus dem Kloster verbannt, anstelle der Privatküchen eine Kappelle in eine Zentralküche umgebaut, die grosszügigen Gemächer mehrfach belegt - kurz, Zucht und Ordnung hielten Einzug!

Heute ist nur noch ein kleiner Teil der riesigen Klosteranlage von praktizierenden Nonnen bewohnt. Die Stadt Arequipa hat vor Jahren das ganze Klosterareal prunkvoll restauriert und hat es für Besucher zugänglich gemacht. Die Klosterkleinstadt, ein Labyrinth von Gassen und Räumlichkeiten - ein Juwel in warmen Erdfarben und dezenten Blautönen. www.santacatalina.org.pe

Ötzi aus Peru
... oder besser "Juanita", das Inka Mädchen aus den Anden!

Im Jahre 1992 wurde das Mädchen von einer Expedition, eingewickelt in fein gewobene Tücher und zusammen mit vielen Kultgegenständen, nahe dem Gipfel des Vulkans Nevado Ambato (6310 M.ü.M.) gefunden. Wie die Wissenschaft feststellte, handelt es sich um ein ca. 14-jähriges Inka Mädchen, das den Göttern zur allgemeinen Beruhigung des Vulkans geopfert wurde. Die eisigen Temperaturen haben den Körper über 500 Jahre fast perfekt erhalten.

Die Eismumie ist heute im Museum der Kath. Universität von Arequipa zu bestaunen. Wie schafften es die Inkas mit ihrer bescheidenen Ausrüstung bloss über Schnee und Eis in solche Höhen vorzudringen? Ein informatives Video und eine ergänzende Ausstellung legt die verschiedenen Theorien und Mutmassungen dar. www.ucsm.edu.pe/santury