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Für Querleser/Innen!

Wenige Wochen nachdem der erste indigene Präsident, Evo Morales, eine Vertrauensabstimmung/ein Referendum heil überstanden hat - reisten wir in der Meinung nach Bolivien ein, dass man ihm eine weitere Chance einräumen wird. Weit gefehlt - gezielte Aktionen von radikalen Autonomisten aus den produktiven Regionen im östlichen Tiefland eskalierten. Staatliche Institutionen und Flughäfen wurden besetzt, eine Export-Gasleitung gesprengt, Strassenblockaden errichtet und die Presse in der Berichterstattung massiv behindert/bedroht.
Polizei und Militär standen der Situation wohl eher machtlos gegenüber, es waren vielerorts Tote und viele Verletzte zu beklagen. Gleichzeitig wurde der amerikanische Botschafter des Landes verwiesen - Einmischung in innere Angelegenheiten das Verdikt. Präsident Chavez aus Venezuela tat aus Sympathie zu Evo Morales das Selbe und verkündete, dass er Truppen nach Bolivien entsenden würde um die Lage in Bolivien zu "beruhigen". Der Aufschrei der Presse war unüberhörbar! In der Grossstadt La Paz waren erste Contra- und Pro-Demonstrationen angesagt, die Versorgung des "unproduktiven" Hochlandes geriet nach einigen Tagen bereits etwas ins Stocken. Vor diesem Hintergund galt es unsere Reise über das Altiplano vorsichtig zu planen! Aber vorerst ... alles der Reihe nach.

Die Einreise nach Bolivien gestaltete sich wesentlich einfacher als unser Ansinnen, im Sajaman-Nationalpark - eine eindrückliche Vulkanlandschaft - frei zu campieren. Ein Sandsturm liess uns, in einem Dorf hinter Lehmhäusern, Windschutz suchen. Zu später Stunde haben wir trotzdem kapituliert - statt das Dachzelt auf's Spiel zu setzen haben wir von einer einfachen Unterkunft profitiert. Auf der Weiterfahrt in die Grossstadt La Paz machten wir bereits das erste Mal "Bekanntschaft" mit der Policia Nacional. Die Enttäuschung war dem Beamten merklich an zu sehen, als wir all die von ihm geforderten Fahrzeug-Papiere und -Ausrüstungsgegenstände (Versicherung, Feuerlöscher, zwei Pannen-Dreiecke, Apotheke, Abschleppseil, usw., usw.) vorweisen konnten. Sein letzter Versuch uns eine "Propina" ab zu zocken gipfelte darin, dass er von uns den "obligatorisch" mit zu führenden Leichensack sehen wollte. Wir verfielen in schallendes Gelächter ... no, no Señor ... nicht mit uns!

Ein Besuch der überaus touristischen Titicaca-See-Region haben wir damals auf der peruanischer Seite bewusst ausgelassen - in Bolivien wollten wir den See jedoch nicht missen. Die Fahrt zum Städtchen Copacabana, entlang der Küste des tiefblauen Titicaca-Sees, war abwechslungsreich und das Übersetzen mit einer wackeligen Fähre reine Nervensache. Ein Ausflug auf die Isla del Sol ermöglichte uns eine Tageswanderung mit tollsten Ausblicken auf die Seenregion und die sich dahinter auftürmenden Schneeberge der Cordilliera Real.

Zurück im Umfeld von La Paz benötigten wir drei Versuche um Diesel-Treibstoff tanken zu können. Der Konflikt schwelte weiter - die Strassenblockaden zeigten erste Auswirkungen auf die Versorgungslage. Vollbetankt hat unser Land Rover eine Reichweite von rund 1'100 Kilometern, genügend um eine Minimalvariante über den Salar von Uyuni und weiter über die Laguna-Route nach Chile zu fahren. Die Unbekannte - wieviel ist der Mehrverbrauch im Sand, bei allfälligen Umwegen oder wenn wir uns irgendwo verfahren? Wir kauften uns vorsichtshalber zwei Kanister und fuhren in der Hoffnung los, weiter südlich nochmals nachfüllen zu können. Während die neu erstandenen Diesel-Kanister auf unserem Heckträger dahin saberten und der Geschmack von Diesel immer penetranter wurde, erreichten wir Oruro, den letzten grösseren Ort auf der von uns geplanten Strecke. Die Warteschlangen an den Tankstellen verhiess nichts Gutes. Glück für uns - alle verlangten nach Benzin und eine beschränkte Menge an Diesel war verfügbar. Wir tankten nach und waren somit gut gerüstet, die von uns angestrebte Maximalvariante zu fahren!

Staubige Sandpisten brachten uns durch einsamste Altiplano-Landschaften nach Tahua, am "Ufer" des Salars von Uyuni. Wir genossen die Nacht noch auf festem Untergrund, bevor wir am folgenden Tag über den Salar zu den Inseln Pescado und Inkahuasi fuhren. Mit Hilfe unseres GPS waren die kleinen Punkte am Horizont wohl gut zu orten, die richtige und sichere Fahrspur dorthin zu finden - jedoch eine andere Sache. Wir erklommen die mit riesigen Kakteen bewachsenen Hügel und genossen den einzigartigen Weitblick ins unendlich weite Salz. Die Nacht verbrachten wir weit draussen auf dem Salar. Die Verfärbung der Salzwaben im warmen Abend- und Morgenlicht - eine Stimmung der ganz besonderen Art. Auf der Weiterfahrt ans Festland hielten wir uns weitgehend an die gut sichtbare Hauptpiste (grau vom Dieselruss und Pneuabrieb) - wir querten ein Gebiet mit vielen "Ojos" (Augen), dünne Salzschichten die einbrechen können.

Nach glatter und rasant zu befahrender Salzkruste erwartete uns auf der Laguna-Route ein Härtetests. Wir holperten, zwischen Vulkangipfeln und vorbei an unzähligen Lagunen, viele hundert Kilometer über Wellblech- und Schotterpisten und pflügten uns durch sandige Abschnitte. Das hart an der chilenischen Grenze (Atacama-Wüste) liegende Gebiet zählte für uns zu den landschaftlich schönsten Abschnitte der bisherigen Reise! Die Lagunen präsentieren sich in den Farben von Türkis bis Violett - die sich darin tummelnden Flamingo-Kolonien wirken fast kitschig! Das vulkanische Gestein der umliegenden Berge, die geldgelben Gräsbüschel und die absolut klare Luft, in Höhenlagen zwischen 4'000 - 4'300 M.ü.M. - vervollständigen den "Farbenrausch". Die Kehrseite - eisig kalte Nächte waren zu erdulden. Wir hatten zu den frühen Morgenstunden oft Temperaturen zwischen -11° und -19° Celsius, im Innenraum unserers Dachzeltes versteht sich! Der Wassertank und die Trinkwasserkanister waren gefroren, der Diesel-Treibstoff stockte trotz Beimischung eines Additivs in den Leitungen. Ohne die ersten wärmenden Sonnenstrahlen hätten wir uns NIE aus unseren dicken Schlafsäcken schälen oder gar den kalten Motor starten können. Am Vorabend galt es darum für uns immer den Landi in nord-östlicher Richtung zu parkieren - die idealste Position um Mensch und Maschine zu wärmen und wieder "Leben" ein zu hauchen.

Unsere Dieselreserven ermunterten uns nicht direkt nach San Pedro de Atacama/Chile aus zu reisen, sondern für weitere 500 Kilometer in westlicher Richtung, durch unwegsame Altiplano-Cañons und über Hochebenen, bis nach Tupiza zu fahren. Ein paar GPS-Koordinaten wiesen uns die allgemeine Richtung. Wir waren weiterhin von der Landschaft begeistert, hatten tollste Campmöglichkeiten und die Strecke verlangte unserem Land Rover sehr viel ab. Und dann passiert's - das Elektro-Warnlicht leuchtete auf - wir befanden uns auf einer sehr steilen Anfahrt auf rund 4'900 M.ü.M. Unsere Zusatzbatterie wurde von all den Schlägen ausgerissen und hat sich an der Halterung kurz geschlossen. Was nun, wenn Suchen/Pröbeln in dieser verlassenen Gegend keinen Erfolg bringt? (Details siehe "weiter im Text") Wir arbeiteten schon an verschiedenen Krisenszenarien. Geduld brachte ... nach langen und kalten 24 Stunden die gewünschte Hilfe. Erleichtert nahmen wir die letzten 130 Kilometer Berg- und Talfahrt unter die Räder.

Für ein paar Tage genossen wir in Tupiza das merklich wärmere Klima mit zusätzlichem Hotelkomfort. Kurz vor Ablauf unserer Visa, verliessen wir Bolivien in Richtung Argentinien.
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Für "Fährtensucher/Innen"

Grenze Chile/Bolivien P.N. Sajaman - La Paz - Copacabana (Titicacasee) - El Alto/La Paz - Oruro - Tahua - Salar de Uyuni (Isla Pescado/Inkahuasi) - Uyuni - Colcha K - Laguna Route - Quetena Grande - San Pablo de Lipez - Tupiza - Villazon - Grenze Bolivien / Argentinien
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Höhepunkte

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Mehr Infos? Weiter im Text!

Meine Bedenken - Peti's Masterpiece
Die Facetten des Altiplanos sind grandios - wir genossen auf unserer Fahrt während Tagen diese traumhafte Landschaft, diese Stille, diese Einsamkeit - bis ... uns auf dem Armaturenbrett das Warnlämpchen der Ladekontrolle leuchtend rot entgegenstrahlte! Der Schock war bei mir gross, schnell war das Land Rover-Handbuch gezückt. Der einzige Hinweis "... falls während der Fahrt die Lampe aufleuchtet/weiterleuchtet liegt eine Störung vor. Lassen Sie das Fahrzeug unverzüglich FACHKUNDIG untersuchen!" entlockte uns nur ein müdes Lächeln.

Der Wind blies eisig kalt, wir waren in einer steilen Auffahrt auf rund 4'900 M.ü.M.. Schnell die Motorhaube und den Sicherungskasten auf - prüfende Handgriffe und ein kritischer Blick brachte keine neuen Erkenntnisse. Alles schien in Ordnung zu sein, wir starteten den Motor und wollten nur eins - runter von dieser Höhe um das Problem der Störung in tieferen Lagen ausfindig zu machen.
Gesagt getan - alle Sicherungen und Relais wurden genau geprüft, die Ursache wurde bald eruiert. Ein Kurzschluss auf der zweiten Batterie (Wohnraum-Batterie-Halterung hat die Bodenschrauben ausgerissen und hat sich so verschieben und die Pole der Batterie kurz schliessen können) war für die Warnanzeige verantwortlich. Peti trennte den Stromkreis des "Wohnzimmers" ab, die Warnleuchte erlosch.

Nach weiteren/kurzen 30 Kilometern fiel am Fahrzeug die ganze elektrische Versorgung zusammen. Wir sind wohl nur mit Strom der Fahrzeugbatterie gefahren bis diese leer war und ohne dass diese vom laufenden Motor geladen wurde. Wo in aller Welt blieb die uns "wohlbekannte" Warnleuchte? Ein weiteres Teil musste also Schaden genommen haben. Die Sucherei ging erneut los. Nebst Ursachenforschung arbeiteten wir auch bereits an Krisenszenarien wie Fahrräder abladen um im nächsten Ort (rund 130 Km staubige/grobe Berg- und Talfahrt entfernt, in einem Tag unmöglich zu schaffen) Hilfe zu suchen, Abschleppen oder besser Aufladen, usw., usw.

Nach erfolglosem Suchen/Pröbeln studierte Peti bis spät in die Nacht hinein das Schema der Stromzufuhr und hegte bald einen Verdacht. Am folgenden Morgen kroch er förmlich durch den Motor - wohl jedem Kabel folgend bis ihm schlussendlich klar war, wo der Strom herkommt und ... wo er hin sollte!
Super, wie er mit seinen "bescheidenen" Elektrik-/Elektronik-Kenntnissen das Übel in einem Teil eruieren und mit einer improvisierten Überbrückung Abhilfe schaffen konnte. Für einen Test "seiner Lösung" benötigten wir jedoch die Kabel-Starthilfe eines anderern Fahrzeuges. Wir warteten Stunden, ja einen ganzen Tag bis uns kurz vor Einbruch der Dämmerung zwei Monteure mit ihrem Servicewagen Starthilfe leisten konnten.

Erleichtert fuhren wir noch eine Stunde drauflos. Die Fahrzeugbatterie wurde wieder geladen - Problem gelöst! Am nächsten Tag erreichten wir Tupiza ohne weitere Pannen - meinem "Allrounder" sei lieben Dank!

Tafeln im Salz
Nach der Fahrt über den Salar von Uyuni campierten wir hinter einem luxuriösen Salzhotel und gönnten uns ein "Dinner fo two" - in salzigem Ambiente!

Mit aus dem Salar gefrästen Salzquadern und dicken Platten wurden die Grundmauern des Gebäudes errichtet sowie Tische und Stühle geformt. Der Boden ist mit schneeweissem Salzkiesel bedeckt, der Dachstock, die Fenster und viele Dekorationen aus dem Holz von Kakteen gefertigt. Die geschmackvolle Farbgebung und die willkommenen Gasstrahler vermittelten uns nach einer kalten Nacht auf dem Salar erstmals wieder das Gefühl von Wärme. Das Erlebnis stand im Vordergrund - das Essen einfach und gut - bei einem so originellen Ambiente aber doch eher nebensächlich. www.lunasaladahotel.com.bo