Für Querleser/Innen!
Mit dem Grenzübertritt nach Argentinien betraten wir das letzte und südlichste Land "unserer" Panamericana. Irgendwie beschlich uns ein seltsames Gefühl - uns wurde bewusst, dass wir endgültig auf die Zielgerade eingebogen sind! Zu unserem Trost stand jedoch beim Zoll eine riesige Tafel mit der Aufschrift "Ushuaia - 5121 km" (unser südlichster Punkt). Mit Hin- und Rückweg und ein paar Abstechern nach Chile - wohl immer noch viel zu tun für uns. Also, was soll's mit solchen Gedanken ... einfach ... "Schwamm drüber"!
Nach einer eher schleppenden Abwicklung der Grenzformalitäten machten wir uns auf Neuland zu entdecken. Unser Tatendrang wurde jedoch bereits im Grenzort gestoppt - Strassenblockade ... das fängt ja gut an! Da es sich nur um eine lokale Sperre handelte und unser Warten sicher nichts zur Lösung des Problems beitragen konnte, folgten wir der Wegbeschreibung von hilfsbereiten Passanten und umfuhren die Blockade kurzerhand auf verwinkelten Quartierstrassen.
Die Fahrt nach Salta, durch bizzare Felsformationen und farbige Erosionen, war abwechslungsreich und mit jedem gefahrenen Kilometer spürbar wärmer - wir kamen (endlich) runter vom Altiplano! Unterwegs bemühten wir uns die Folgen des Kurzschlusses an unserer 2. Batterie genau zu klären und die provisorische Überbrückung in eine sicherere Lösung zu überführen. In der Stadt Salta genossen wir erstmals wieder eine Mischung aus italienisch / südländischer Strassenkaffee-Atmosphäre. Kaum verliessen wir den Grossraum der Stadt wurden die grünen Kulturflächen lichter und die Landschaft wandelte sich erneut zur Steinwüste. Über das Weinbaugebiet von Cafayate / Cachi, im trockenen, bewässerten Tal südlich von Salta, gelangten wir zur Anfahrt zum Paso de Sico. Über viele hundert Kilometer Wellblech-Piste erreichten wir San Pedro de Atacama in Chile. Trotz einigen Tagen "Dusch-Abstinenz" entschieden wir uns gegen das überaus touristische Städtchen und siedelten für weitere Nächte einsam und sehr stimmungsvoll in den Weiten der Atacama-Wüste.
Auf der Fahrt zur Pazifikküste besuchten wir, unweit von Calama, die für den offenen Bergbau weltgrösste Kupfermine von Chuquicamata.
Alles - vom Ausmass der Grube, den Dimensionen der Fahrzeuge bis hin zu den Produktionszahlen ... war gigantisch (siehe Impressionen).
Die Region scheint noch unerschöpfliche Mineralien-Vorkommen zu bergen. Wir passierten noch weitere Grossminen und der Lastwagenverkehr in Richtung Antofagasto nahm merklich zu. Unglaublich was für Gütermengen dort bewegt werden müssen um die Versorgung dieser Betriebe zu gewährleisten!
Die Querung der Atacama-Wüste, in südlicher Richtung und auf gut ausgebauter Strasse, war nicht sonderlich attraktiv. Die Küstenregionen waren noch immer in dichten Pazifik-Nebel gehüllt - also nicht's wie zurück ins sonnige Hinterland!
Der Hauptgrund unseres kurzen Atacama-Ausflugs war die geplante Fahrt über den chilenisch-argentinischen Grenzpass Paso San Francisco. Der 4'748 Meter hohe Pass zählt zu den höchsten und spektakulärsten Andenüberquerungen von ganz Südamerika. Für dieses Vorhaben stellten wir uns nochmals auf (sehr) tiefe Temperaturen ein. Unsere Befürchtungen wurden diesbezüglich sogar noch übertroffen. Morgens um sieben war die Welt nicht mehr in Ordnung, - 11° in der Schlafkabine! Obwohl wir Schlafplätze knapp über 3'000 Metern wählten, wurde es dermassen kalt. Die schon recht südliche Lage machte sich bemerkbar. Trotz allem, die dreitägige Fahrt - durch tief eingeschnittene Hochtäler, über goldgelbe Altiplano-Hochebenen, vorbei an einigen der höchsten Andengipfel und entlang von ausgedehnten Salzlagunen - geriet zum Höhepunkt.
In den Thermalbecken von Fiambala badeten wir uns zum Abschluss all den Wüsten-Staub aus den Poren und machten uns anschliessend auf nach Mendoza. Die Stadt, mitten im grössten Weinanbaugebiet von Argentinien, zeichnet sich vorallem durch ihren immensen Baumbestand aus. Sämtliche Strassen der Innenstadt sind so dicht begrünt, dass man selbst zur heissen Mittagszeit angenehm auf Einkaufstour gehen oder im Strassenkaffee sitzen kann. Wasser scheint hier, im sonst steinigen und trockenen Tal, kein Problem zu sein - die nahe / schneebedeckte Andenkette im Hinterland und ein ausgeklügeltes Kanalsystem sorgen das ganze Jahr für eine ausreichende Wasserversorgung der Stadt sowie die künstliche Bewässerung des gesamten Weinanbaus!
Wir nutzten den Aufenhalt in Mendoza auch zur Wagenpflege und einen grossen Unterhalts-Service. Nach den anspruchsvollen Kilometern der letzten Monate galt es mal all den seltsamen Geräuschen auf den Grund zu gehen und da und dort ein paar Schrauben nach zu ziehen. Mit neuen Säften / Ölen / Bremsen / Filtern steuerten wir unseren Land Rover zurück auf die "Ruta 40" - auf in den Süden!
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Für "Fährtensucher/Innen"
Grenze Bolivien/Argentinien - La Quiaca - Salta - Quebrada de las Onchas - Cafayate - Quebrada de las Fechas - Chachi - San Antonio de los Cobres - Paso Sico - Grenze Argentinien/Chile - San Pedro de Atacama - Calama (Chuquicamate) - Antofagasto - P.N. Pan de Azucar - Paso San Francisco - Grenze Chile/Argentinien - Fiambala - Chilecito - P.N. Ischigualasto - Huaco - Barreal - Uspallata - Mendoza
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Höhepunkte
- Minentour in weltgrösster Kupfermine von Chuquicamate (Calama/Chile)
- Fahrt über den Paso San Franzisco (4'748 M.ü.M.)
- Weinregion Mendoza mit Gutsbesuch und Degustation(en)
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Wein-Tourismus
Die Stadt Mendoza zu verlassen ohne in der Umgebung eine der vielen Bodegas zu besuchen - undenkbar! Zudem waren wir gespannt, wie der in Argentinien oft verwendete Begriff "Wein-Tourismus" dort definiert wird. Wir entschieden uns für das Weingut "Bodegas Salentein", im nahen Valle de Uco - und waren schlicht überwältigt.
Mitten im viele hundert Hektaren grossen Grün der Rebstöcke steht ein Gebäude modernster Architektur. Der Gehweg ist gesäumt mit riesigen Skulpturen zeitgenössischer Kunst und der Palast aus Beton und Glas beherbergt nebst einem Museum, einem Restaurant, grosszügigen Gesellschaftsräumen und einem Verkaufsladen auch eine Kunstgalerie mit ständig wechselnden Ausstellungen nahmhafter Künstler.
Der Rundgang durch die Produktion begann in einem unscheinbaren / einstöckigen Nebengebäude - das sich als riesige "Wein-Gruft" entpuppte! Noch bodeneben stehen die für die nächste Trauben- ernte bereiten Gärtanks, ein Stock tiefer die blitz-blanken Chromstahl-Lagertanks. Wir schauten von einem hohen Balkon noch tiefer, in einen weiteren Keller wo der Wein in rund 5'000 Eichenfässern ausgebaut wird, eine vollautomatische Anlage die Produktion von 7 Mio. Litern in die Flaschen abfüllt und uns anschliessend in einem höhlenartigen Degustationsraum auch zwei "Versüecherli" offeriert wurden. Die ganze in den Boden eingelassene Kellerei ist ideal klimatisiert, an den Wänden hängen modernste Collagen und Ölgemälde, wir gingen über edle Keramikplatten in den Firmenfarben und die dezente Beleuchtung sorgte auf jeder Etage für spezielle Effekte.
Aus rund 30 Metern Tiefe verliessen wir die Gruft - wir hatten die Wahl zwischen einer sich frei und elegant nach oben schwingenden Wendeltreppe oder ... einem Glas-/Panorama-Lift! www.killkasalentein.com
Alles bloss Technik
Nach rund 63'000 Km auf der Panamericana (Tachostand aktuell 97'800 Km) galt unser Augenmerk in Mendoza mal wieder der Wagen- pflege. Die vergangenen Monate - mit all den Schotter-/Sandpisten, vielen Berg- und Talfahrten, langen Wellblech-Abschnitten mit starken Vibrationen, Fahrten auf dem Salar, dem Queren von Wässerläufen und langen Fahrten in der Untersetzung (Geländegänge) - waren für unseren Land Rover bestimmt die grösste Dauerbelastung der bisherigen Reise. Kommt hinzu, dass die Dieselqualität bescheiden war und in den Höhenlagen oft sehr kalte Temperaturen, mit nicht ganz optimalem Motorenöl (nur 15W/40 erhältlich!) und wenig Diesel-Additiv, zu bewältigen waren.
Reparaturen: Abgesehen vom Kurzschluss auf der Zweitbatterie (Ursache: Halterung aus der Bodenplatte ausgerissen) hatten wir unterwegs keine weiteren Vorfälle die eine sofortige Reparatur erforderten.
Trotzdem galt es für uns Innen und Aussen ein paar Kleinigkeiten zu richten und so machten wir uns daran, all den seltsamen Geräuschen auf den Grund zu gehen und mit Schraubenzieher und Gabalschlüssel entgegen zu wirken.
Service: Das Problem, dass wir bei Vollbetankung (120 Liter; Tank und Tankvergrösserung) auf den ersten 150 Kilometern etwas Diesel verloren, liessen wir mit dem fälligen Gross-Service (sämtliche Öle, Filter, Brems- und Kühlflüssigkeiten sowie den Antriebsriemen ersetzt) beheben. Gleichzeitig erneuerten wir die nahezu auf das Minimum abgefahrenen Brems-Scheiben und -Beläge.
Service-Stellen: Der Land Rover Defender 110 ist in Argentinien sehr gut vertreten. Obwohl es nur wenige offizielle LR-Vertretungen gibt, kennen sich viele auf 4x4-Fahrzeuge ausgerichtete Garagen mit diesem Fahrzeug gut aus.
Ersatzteile: Für das Verschleiss-Material (Filter, Bremsen, usw.) sowie eine beschränkte Auswahl von Ersatzteilen sind "Generikas" erhältlich.
Bereifung: Die Reifen (BF Goodriche All-Terrain, 235-85/16) sehen etwas mitgenommen aus (vorallem auf Hinterachse stumpfe Profilkanten und einzelne Noppen aus-/abgerissen), haben sich jedoch hervorragend bewährt. Mit Glück, aufmerksamer Fahrweise auf schwierigem Terrain und der laufenden Anpassung des Pneudrucks an die Streckenbedingungen haben wir wohl erreicht, dass wir bis heute noch keine einzige Reifenpanne zu beheben hatten. Die Abnutzung auf der Hinterachse ist grösser - entgegen der LR-Betriebsanleitung wechselten wir die Räder von vorne nach hinten und umgekehrt (ohne zu kreuzen!) Die Profilstärke nach einer Laufleistung von rund 50'000 Km verspricht uns problemlos noch viele tausend Kilometer.


