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Für Querleser/Innen!

Zurück in „normalen“ Klimazonen genossen wir im Süden von Chile das spätsommerliche Wetter. Patagonien war durchaus das Reise-Erlebnis wert – auf die Dauer zehrte der Wind aber doch etwas an den Nerven und die schnellen Wetterwechsel liessen die Planung für Outdoor-Aktivitäten zur reinsten Lotterie werden. Die Fahrt mit der Fähre, von Puerto Natales – durch das Fjordland von Chile – hoch nach Puerto Montt, war kurzweilig und recht amüsant.
Während der Saison macht das mit bescheidenem Komfort ausgestattete Fährschiff eine Anlandung in einer Siedlung und einen Abstecher zu einem ins Meer kalbenden Gletscher. Das Wetter hat recht gut mitgespielt, viele Ausläufer des Campo Hielo Sur waren gut zu erkennen. Die Kanaldurchfahrten waren abwechslungsreich und an der schmalsten Stelle nur gerade mal 80 Meter breit. Die berüchtigten 12 Stunden auf offener See waren auf unserer Fahrt zum Glück sehr ruhig.

Wieder mit festem Boden unter den Füssen machten wir uns in Richtung der Halbinsel Chiloé (bei Puerto Montt) auf. Die Gegend - meist rollende Hügellandschaft die landwirtschaftlich genutzt wird - birgt ein paar schöne Ecken und Küstenabschnitte, hat uns jedoch nicht sonderlich imponiert. Die Fischfarm-Industrie ist enorm stark verbreitet, was der sonst noch recht ärmlichen Gegend ein riesiges Wachstum und noch vielmehr Verkehr bescherte. Zudem waren die in oft malerischen Fjorden verankerten Schwimm-Netze der Fischkulturen - natürlich nur aus dem Blickwinkel eines Touristen/Reisenden - eher störende Elemente.
In nördlicher Richtung und immer bedacht bis Ende Februar dem Ferienrummel auszuweichen – was uns erstaunlicherweise sehr gut gelang – besuchten wir das Seen- und Vulkangebiet im weiten Umfeld von Villarrica. Verglichen mit Europa sind die Ferienfrequenzen geradezu harmlos und beschränken sich auf ein paar beliebt Gebiete und Ausflugsziele. Setzt man sich in einen Nat.-Park ab um etwas zu wandern , begegnet man keiner Menschen-Seele! Wie die Argentinier sind auch die Chilenen Bewegungs-Muffel – wir hatten tollste Vulkanlandschaften für uns ganz alleine. So genossen wir die Nationalparks um die Vulkane Villaricca, Llaima und Lonquimay und waren immer wieder erstaunt, wie tolerant uns die Ranger/Guardiaparques beim freien Campieren weit ab der ausgeschiedenen Campingzone gewähren liessen.
Der hohe Lebensstandard in der Seen- und Vulkanregion war offensichtlich, kein Wunder, haben sich dort schon sehr früh erste Einwanderer aus Europa niedergelassen und das Land aktiv bewirtschaftet. Nebst grossen Farmen und Hotelbetrieben klingen auch viele Dienstleistungsunternehmen nach deutschem/schweizerischem Ursprung. So wurden wir auch von Ausland-Schweizern der zweiten Generation angesprochen - eine Geste die wir sehr schätzten.

Je nördlicher wir kamen – umso eintöniger erschien uns Chile. Es galt unendliche Gebiete mit Holz-Farming für die Zellulose- und Papierindustrie zu durchfahren, Strassenbau wurde und wird extrem betrieben, was mit viel Wartezeiten verbunden war und auch die bereits oft neblige Küste wollte uns nicht so recht gefallen. So entschieden wir uns kurzfristig über eine holprige Piste, den noch recht einsamen Paso Pehuenche nach Argentinien zu befahren.

Auf der Anfahrt zum Pass hiess es auf chilenischer Seite das elfte und für diesen Reisetag letzte Mal - "Pare!". Mit dieser Streckenwahl konnten wir den Moloch Santiago und Umgebung elegant umgehen - dafür nahmen wir ein paar Teilstrecken in der Region Mendoza, die wir auf dem Weg in den Süden bereits befahren hatten, gerne in Kauf.
Einen Abstecher durch den Cañon Rio Atuel führte uns weiter in die Wein-Oase San Rafael bevor wir zügig in nördlicher Richtung reisten - immer in der Hoffnung, dass die früh eingebrochene Kaltfront und die damit verbundenen Schneefälle nicht zur Schliessung des Paso Agua Negra (4'780 M.ü.M.) führte. Die Anreise zum Pass war leicht regnerisch, wir wählten eine weitere Nacht in angemessener Höhenlage um uns zu aklimatisieren. Nach Donnergrollen und Niederschlag zeigte sich noch in der Nacht der Vollmond und der klare Sternenhimmel liess uns für die geplante Passfahrt Hoffnung schöpfen.

Bei klarsten Sichtverhältnissen, stahlblauem Himmel und nach den argentinischen Grenzformalitäten nahmen wir den Paso Agua Negra durch leicht schneebedeckte Landschaft in Angriff. Schnee- und gletscherbedeckte Berggipfel, kahle Hügelzüge, farbige Gesteinsformationen und Büsser-Schneefelder liessen für uns die Fahrt zum erhofften Schlussbouquet unserer Reise werden! Wir genossen die einsame Fahrt auf der engen jedoch guten Naturpiste. Mit Gegenverkehr war kaum zu rechnen - es dauerte bis nach Mittag, bis uns die ersten Fahrzeuge, zwei deutsche Pick-Up's mit Wohnkabinen, begegneten. Wir nutzten die unverhoffte Begegnung mit den vier "Augsburgern" zu einem ausgiebigen Schwatz. Um den eindrücklichen Tag noch voll auszukosten und die Eindrücke wirken zu lassen, suchten wir in der langen Abfahrt vom Pass und im engen Tal einen geeigneten Platz für die Nacht. Wir genossen die Zweisamkeit in wilder Natur bis ... hunderte von Ziegen die steilen Abhänge herunter kamen und ihrem Nachtlager entgegen blökten. Ein paar Spätheimkehrer und/oder Irrläufer "beblökten" uns noch zu später Stunde - was ihnen bei aller Tierliebe leider ein paar Steinwürfe von unserer Seite absetzte.

Nach der chilenischen Grenzabfertigung ging es erneut los - "Pare!" - erneut in den Baustellen. Doch Pisco sei Dank, schon bald verwandelte sich das steinig-karge Tal zur grünen Oase. Der ganze Talboden und auch steile Hänge wurden mit Reben bepflanzt. Schier unglaublich, dass in dieser unwirtlichen Gegend genügend Wasser vorhanden ist um Trauben anzubauen und so einen erheblichen Teil der gesamten Pisco-Produktion von ganz Chile sicherzustellen. Im Ort Pisco-Elqui besuchten wir eine Distillerie, erfuhren so mehr über die Geschichte und die Herstellung des Edelbrandes. Anlässlich der Degustation waren wir von der hochstehenden Qualität des chilenischen Piscos beeindruckt.

Nur acht Orte auf der Welt bieten ähnlich gute Bedingungen um in die Sterne zu "gucken". Wir waren in einem davon - so liessen wir uns es in Vicuna nicht nehmen - zu nächtlicher Stunde ein Observatorium zu besuchen. Bei klarsten Verhältnissen, ohne jegliches Fremdlicht und Mondschein, schauten wir durch die Linse und liessen uns von Galaxien, Saturn, Orion, dem Kreuz des Südens und schwarzen Löchern faszinieren.

Durch's Hinterland fuhren wir weiter südlich in Richtung Paso Cristo Redentor wo wir wieder nach Argentinien einreisten. Die Fahrt durch's trockene Gebirge war überraschend, die Teilstrecke auf einem alten Bahntrasse und durch enge Eisenbahntunnel sorgte für Nervenkitzel. Wieder auf argentinischem Boden bestaunten wir auf einer kleinen Wanderung den Aconcagua (6'962 M.ü.M.) - der höchste Berg ausserhalb der Himalayas.

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Für "Fährtensucher/Innen"

Puerto Montt - Isla Chiloe - Puerto Montt - Puelo - Entre Lagos - Panguipulli - P.N. Villarrica - P.N. Conguillio - P.N. Tolhuaca - Malalcahuello / Suizandina - P.N. Nahuelbuta - Cobquecura - San Javier - Lago Colbun - Paso Pehuenche / Grenze Argentinien - Malargüe - San Rafael - Uspallata - Paso Agua Negra / Grenze Chile - Pisco Elqui - Vicuna - Ovalle - Zappallar - Paso Cristo Redentor / Grenze Argentinien - Mendoza - San Luis - Villa General Belgrano
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Höhepunkte

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"Streit" um Pisco
In den letzten Jahren entwickelte sich zwischen Chile und Peru ein Wettstreit, wer den Pisco als Nationalgetränk auf seine Fahne heften darf. In Kombination mit dem Umstand, dass die zwei Länder wegen einem Krieg aus dem Jahre 1880 noch immer nicht gut aufeinander zu sprechen sind, stachelt die Diskussion wer seinen Brandy Pisco nennen darf - immer wieder von Neuem an. Peru hat die Geschichte auf seiner Seite, da die erste bekannte Referenz zum Pisco ins Jahr 1631 zurück datiert. Chile hat jedoch den stärkeren Marketingmuskel - es verkauft sechsmal mehr als Peru auf dem international Markt. Während wir die beiden Länder bereisten war für uns dieser Disput eigentlich eher nebensächlich - Hauptsache, der Pisco war für uns stets verfügbar.
Der aus Wein distellierte Likör hat einen leichten und hölzernen Geschmack, da er oft zusätzlich im Eichenfass ausgebaut wird. Wenn man ihn als "Pisco Sour" aufbereitet, erhält man ein überaus erfrischendes Getränk! In Anlehnung an den oben erwähnten Disput - unser subjektives Empfinden: so wie der Pisco Sour in Peru serviert wurde, mundete er uns viel besser!

Für euch zuhause und alle Chilenen das "peruanische" Rezept:
- 1 Teil frisch gepresster Limetten-Saft
- 3 Teile Pisco
- Eiswürfel
- Zucker
- 1 Kaffeelöffel Eiweiss

Giesse Limetten-Saft und Pisco in den Mixer/Schüttelbecher. Füge Eiswürfel und Zucker (je nach Geschmack) dazu, mixe. Füge zum Schluss das Eiweiss hinzu und mixe das Ganze nochmals. Serviere das jetzt schaumige Getränk sofort in einem Wein- oder Cüpli-Glas. Salud!

PS: Peru (Pisco Sour) kontra Chile (Pisco Edelbrand): 1:1 - die unendliche Diskussion wird wohl weitergehn!