Für Querleser/Innen!
Nachdem wir unser Haus per Ende März 2007 den neuen Besitzern übergeben haben, sind wir von Udligenswil in unsere „zweite Heimat“ nach Reckingen VS gezogen. Mit Abreisedatum 30. April 2007 nahm unser Reiseprojekt konkretere Formen an!
Mit planmässigen Flug über London erreichten wir Halifax (CAN). Die Erledigung der Zollformalitäten für die Entgegennahme unseres Fahrzeuges gestalteten sich einfach und recht unbürokratisch – die Abholung im Hafen ebenso.
Bei kühlen Tages- und winterlichen Nachttemperaturen haben wir unsere Rundreise durch Kanadas Osten Anfang Mai gestartet. In den ersten Wochen bereisten wir die Provinzen Nova Scotia, New Brunswick, Quebec Peninsula und Prince Eduard Island bevor wir im Juni mit der Fähre nach Neufundland übersetzten. Der winterliche Frühling war unser ständiger Begleiter und selbst bei den Einheimischen –und das will bei den abgehärteten Kanadier was heissen – ein vieldiskutiertes Thema!
Entsprechend vorbereitet und ausgerüstet haben wir den Abstecher ins nördlich gelegene und für seine „täglichen Vier-Jahreszeiten“ bekannte Neufundland angetreten. Was wir nie zu erhoffen wagten – der Frühling kehrte ein und verwöhnte uns während des Aufenthaltes mit schon fast sommerlichen Temperaturen – auch dies ein vielgehörtes Thema bei den „Fundis“.
Starker Nordwind direkt aus der Arktis war für den garstigen Frühling im Osten verantwortlich. Durch diese anhaltende Nordströmung wurden in Neufundland riesige Tafel- Eisberge und Treibeis in noch selten beobachteten Mengen angetrieben. Die Buchten voller Eis, am Ufer grünende Wiesen und erste Löwenzahnblüten – ein toller Kontrast.
Der anhaltende Eisfluss verhinderte die Aufnahme des fahrplanmässigen Fährbetriebes ins noch nördlichere Gebiet Labrador und somit auch die von uns geplante Reiseroute von Goose-Bay über viele hundert Schotter Km zurück an den St. Lorenz-Strom / Quebec.
Wieder auf dem Festland nahmen wir uns als nächstes Ziel die Stadt Quebec heraus. Wir verbrachten einen gemütlichen Tag in dieser gepflegten Stadt und genossen das französische Flair.
Durch das Hinterland der Städte Montreal, Ottawa mogelten wir uns auf Nebenstrassen um diese Ballungszentren in Richtung der Grossen Seen, um dort den „long-ride“ – die Querung von Kanada in Angriff zu nehmen.
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Höhepunkte
- Neufundland
- Küste (südlicher Teil) von Nova Scotia
- Städtchen Luneburg (UNESCO Weltkulturerbe) / Nova Scotia
- Gezeiten in der Bay of Fundy (+/- 18m!) / New Brunswick
- Stadt Quebec (Quebec)
- Angebot an frischen Meeresfrüchten
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Im Hafen von Halifax
Nachdem wir am Vortag in Halifax beim Frachtagenten und dem Zollbüro die benötigten Papiere abgeholt haben, stand der Entgegennahme des Fahrzeugs nichts mehr im Wege. Im Wissen, dass unser „Yak“ termingerecht eingetroffen ist, fuhren wir mit dem Taxi im Container-Hafen vor. Kaum ausgestiegen winkte uns der Pförtner herein, offerierte uns die prallen Reisetaschen bei sich auf zu bewahren und deutete anschliessend auf ein Gebäude, wo wir uns zu melden hätten. Im besagten Büro war eben „Znüni-Zyt“, Jack verzehrte zwischen Schachteln und hohen Papierstössen genüsslich sein fettiges „Würstchen“. Gegessen, getan – unsere beigebrachte Papiere befriedigten ihn auf Aufhieb. Mit breitem Grinsen forderte er uns auf dem grossen Parkplatz auf ein Fahrzeug auszusuchen. Wir konnten unseren Land Rover nicht ausmachen, so stiegen wir in sein klappriges Dienstfahrzeug und gingen mit ihm im weiten Gelände auf die Suche. Gut getarnt und völlig unversehrt stand unser Wagen hinter einem grossen Anhänger. Das Schadenprotokoll war also eine reine Formsache. Jack wünschte gute Fahrt und weg war er. Vom Zoll war niemand anwesend, keiner interessierte sich dafür was wir im Fahrzeug so alles mitführten.
Nur nach mehrmaligem Wenden zwischen hohen Containertürmen und Ausweichmanövern mit riesigen Gabelstaplern haben wir das Pförtnerhäuschen wieder gefunden!
Ein Griff und ….
Unsere erste Aufgabe bestand darin, nebst den aus der Schweiz im Fahrzeug mitgeführten Utensilien, zusätzlich einen prall gefüllten Einkaufswagen mit Lebensmitteln und Vorräten sowie die im Flugzeuggepäck transportierten Sachen im Fahrzeug unter zu kriegen.
Für alles und jedes wurde ein Platz gefunden – jeder Winkel schien perfekt genutzt! Kaum auf Tour – ging die Sucherei jedoch los. Erst die Praxis lehrte uns, war zur Hand geht, welche Ausrüstungsgegenstände auch wirklich taugen und dass sich jeder in seinem Bereich selber organisieren muss. Zu oft versteckten wir uns gegenseitig Dinge des täglichen Bedarfs! In den ersten Wochen waren wir sehr/zu oft – nennen wir es am optimieren!
In der Zwischenzeit sitzt jedoch fast jeder Handgriff. Gemeinsam genutztes Gerät wird konsequent an den richtigen Platz zurückgelegt, für persönliche Sachen ist jeder selber verantwortlich. Zudem haben wir ein paar Dinge entsorgt, ersetzt und ergänzt. Ab diesem Zeitpunkt war das Leben „an Bord“ doch wesentlich einfacher – der Haussegen wieder im Lot!
Nationalparks
Die Parks im Osten schützen meist wunderschöne Seen-, Wald- und Küstengebiete – sind sich dadurch aber auch sehr ähnlich und nicht sonderlich spektakulär. Für Fischer, Kanufreaks und Familien ideal, für Wanderer und Biker bestehen jedoch oft nur kleinere Rundwege. Wer „richtige“ Wanderungen plant benötigt eine Bewilligung für’s „back country“ und findet sich bald … auf schmalen Pfad im endlos dunklen Wald! Die Campingplätze wurden zu eigentlichen Urlaubszentren mit jeglichem Komfort (z.T. inkl. Restaurant, Golfplatz, Motel usw.) ausgebaut und waren trotz Jahrespass entsprechend teuer.
Neufundland
Rückblickend hätten wir wohl für Neufundland mehr Zeit investieren sollen! Die Insel im Einflussgebiet von arktischen Winden und dem Golfstrom bietet wirklich alles was es auf dem Festland zu sehen gibt – nur kompakter! Küstenabschnitte mit gigantischen Klippen, hohe Gebirgszüge, intakte Fischerdörfer, die Möglichkeit zur Beobachtung abdriftender Eisberge und eine kontaktfreudige Bevölkerung mit viel Schalk machen den Aufenthalt komplett. Zudem besitzt Neufundland mit dem Gros Morne National Park den für uns eindrücklichsten Park. Tafelberge in unmittelbarer Küstennähe und an verwinkelten Inlets sind für Wanderungen/Bergtouren gut erschlossen. Beim Fahren hatten wir täglich den „Elchtest“ zu bestehen. Die grösste Elchpopulation Kanadas machte sich am Strassenrand breit – wir hatten tolle Momente zur Tierbeobachtung.
Schlagworte
Vieles wird im Osten mit den Aussagen „scenic oder historic“ vermarktet. Es gilt eindeutig zu differenzieren – ein „kritisch-informatives“ Reisehandbuch bringt Erleichterung im Werbedschungel!

